Nachdem ich mich hier gut eingelebt habe, möchte ich Euch einen Einblick in meinen Alltag geben. Wie ich schon erzählt habe, habe ich eine 40 Stunden Woche und an drei Tagen frei. Das bedeutet, dass ich einen ziemlich langen Tag habe, dafür aber eben auch den dritten freien Tag, was sehr angenehm ist und sich auch absolut lohnt! Hier im Sheiling Haus leben sechs Kinder und zwei Kinder kommen noch zusätzlich zum Mittagessen dazu. Von den sechs hier im Haus lebenden Kindern sind drei auch am Wochenende hier.

Der Morgen

Jeden Tag habe ich ein fest zugeteiltes Kind, entweder Rosie, Alice oder Ben (Namen geändert). Alle drei sind Autisten und Alice hat auch das Down Syndrom. Morgens helfe ich dann „meinem“ Kind sich fertig zu machen. Rosie, Alice und Ben sind alle drei sehr unterschiedlich und ich habe schnell festgestellt, dass es nicht den typischen Autisten gibt, so wie man ihn vielleicht aus Filmen oder bloßem Hörensagen kennt. Vielen Kindern fällt es nicht leicht soziale Kontakte zu knüpfen und Ben hat auch ein besonderes Talent, er kann zum Beispiel unglaublich gut malen. Über diese weitestgehend bekannten Eigenschaften ist aber eben jedes Kind anders.

So gegen acht Uhr frühstücken wir dann zusammen und um 9 Uhr geht die Schule los. Alice, Ben und Rosie gehen in die Upper School und ich gehe in die Lower School Class 1. In dieser Klasse bin ich dann bis zum Mittagessen um 12:45 Uhr und auch noch einmal am Nachmittag. In die Class 1 gehen sieben Kinder, die circa 7-12 Jahre alt sind. Es ist sehr angenehm in der Schule mit anderen Kindern zusammen zu arbeiten, dadurch ist es einfach viel abwechslungsreicher.

Die Schule

In der Schule dreht sich im Moment alles um den Herbst: Wir singen Herbstlieder und hören Geschichten über Michaelmas, das Fest des Erzengels Michael. Der Vormittag in der Schule teilt sich in verschiedene Unterrichtsstunden ein, dazwischen gibt es mehrere Pausen, in denen wir meistens nach draußen gehen und auf dem großen Gelände spielen. Auch in der Schule wird viel Wert auf Routine gelegt. Zum einen um den Kindern Sicherheit und Anhaltspunkte zu geben, aber auch um bestimmte Dinge zu verfestigen. Mit als erstes wird zum Beispiel jeden Morgen der Stundenplan „gebastelt“. Dazu bekommt jedes Kind einen Umschlag mit mehreren einlaminierten Kärtchen, auf denen zum Beispiel das Wort „lunch“ steht und daneben ein Bildchen von einem vollen Teller zu sehen ist. Diese Kärtchen werden dann in der richtigen Reihenfolge aufgehängt. Danach geht’s dann mit dem Unterricht los: Wir kochen zusammen, gehen ins Schwimmbad, fahren auf den Reiterhof, in die Bibliothek oder machen auch mal Mathe.

Jeden Morgen um 11 Uhr und später auch noch einmal um 16 Uhr gibt es eine „juice break“. Ein Glas Saft und einen Keks für jeden.

IMG_2789 (2)
Die große Wiese vor meinem Haus mit einem Teil der Schaukeln im Hintergrund.

Mittagessen, Nachmittag und Abend

Zum Mittagessen geht’s dann wieder in mein Haus und ich bin wieder mit Alice, Rosie oder Ben zusammen. Wir haben eine Köchin, die uns jeden Mittag etwas Leckeres zaubert. Nach dem gemeinsamen Mittagessen werden dann verschiedene Jobs verteilt: Wer hilft beim Abwaschen, wer räumt den Tisch ab und wer deckt ihn wieder? Wie schön, genau wie zu Hause 😉

IMG_2788
Mein neues zu Hause.
IMG_2790
Ein Teil des Spielplatzes. Außerdem gibt es hier noch ein Trampolin und mehrere Schaukeln.

Bis die Schule um 14:30 weitergeht, haben die Kinder Freizeit. Um 16:00 ist dann auch die letzte Stunde vorbei und es geht für mich und die Kinder wieder zurück ins Haus. Der restliche Nachmittag bis zum Abendessen steht auch wieder zur freien Verfügung. Oft basteln oder backen wir zusammen oder bereiten gemeinsam das Abendessen zu. Danach wird jedes Kind gebadet und macht sich dann langsam bettfertig. Auch hier braucht jedes Kind unterschiedlich viel Hilfe.

Tag 28

Am Samstag war in Ringwood Carnival – das Event schlechthin in Ringwood! Es gab zwei Umzüge, einen am Nachmittag und einen am Abend. Angie, Tonya, Simon und ich haben uns abends auf den Weg gemacht und erst den Umzug angeschaut und sind anschließend auf die Kirmes gegangen. Zum Abschluss gab es noch ein Feuerwerk 🙂

Karneval im September klingt komisch und ist es auch. Aber abgesehen davon, dass sich die Menschen nicht verkleiden, wenn sie nicht im Umzug mitgehen und natürlich keine Kamellen geworfen werden, ist es doch relativ ähnlich. Der Carnival findet immer am dritten Septemberwochenende statt. Am Umzug nehmen lokale Vereine und Organisationen teil. Der erste Carnival in Ringwood fand 1929 statt, unter anderem um Geld für ein Krankenhaus zu sammeln. Auch heute noch wird während des Umzugs um eine kleine Spende für die einzelnen Gruppen gebeten.

Außerdem habe ich mir auch ein paar Gummistiefel gekauft. Hier schlägt das britische Wetter im Moment richtig zu.

See you soon! ♥

Eure Katharina

Advertisements